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Corona & E-Commerce – es ist kompliziert

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Die Läden sind geschlossen, die Menschen tagsüber im Homeoffice am Schreibtisch, abends auf dem Sofa. Montag bis Sonntag. Ein bisschen spazieren gehen, noch schnell was einkaufen, das Highlight des Samstags ein Besuch im Baumarkt… aber sonst, tote Hose. Klingt nach einem Eldorado für Onlinehändler, oder?! Die Sache scheint dann doch komplizierter…

Laut Onlineverband BEVH erwartet jeder zweite Onlinehändler einen Umsatzrückgang. Mehr als die Hälfte der 135 befragten Unternehmen rechnen damit, zumindest Teile des Geschäfts temporär schließen zu müssen. Das E-Commerce-Netzwerk Händlerbund hat in einer Schnellumfrage 400 Online-Händler gefragt. Das Ergebnis: Etwa 70 Prozent gaben an, bereits jetzt von der Krise aktiv betroffen zu sein.

Auf der anderen Seite boomt der E-Food-Bereich. Auch Nahrungsergänzungsmittel, „healthy Fertigdrinks“ und Medizinprodukte gehen durch die Decke. Hier ist die Rede von Wachstumsraten von über 400%. Die Frage ist nur: Wer profitiert eigentlich gerade davon?

Da hätten wir zum Beispiel, mal wieder, Amazon. Der Marktwert der Firma hat sich binnen 10 Tage um etwa 100 (!) Milliarden Euro gesteigert. Das Unternehmen will auf einen Schlag 100.000 Mitarbeiter einstellen. Kurzarbeit? Umsatzflaute? Lieferengpässe? Jeff Bezos hat keine schlaflosen Nächte. Eine Randnotiz: Amazon macht über 20% ihres Kerngeschäfts mit Clouds. Auch das läuft gerade ganz gut. „Netflix&Chill“, Videocalls im Homeoffice, die Welt hat sich über Nacht „diesem Internet“ anvertraut.

Aber wie war das jetzt mit den deutschen Onlinehändlern? Mögliche Konjunkturimpulse versprechen sich Unternehmen vor allem in der Abschaffung des Solidarzuschlags. Davon ist laut BEVH etwa jeder zweite Unternehmer überzeugt. Etwas weniger Zuspruch gibt es für eine befristete Mehrwertsteuersenkung (38,1 Prozent). Noch schlechter haben es gerade die Einzelhändler, vor allem jene, die bisher noch nicht den Sprung in den Ecommerce geschafft haben. Oder die nur auf Marktplätze setzen, die sie dauerhaft in eine Abhängigkeit bringen. Denn auch Amazon hat Lieferschwierigkeiten, Logistikprobleme, ausgebrannte Paketboten. Verdi wird die Sachen in Deutschland ganz genau beobachten.

Zudem haben auch deutsche Großhändler gerade Schwierigkeiten. Bei MediaMarkt einen neuen Herd bestellen und einbauen lassen – Fehlanzeige. Vor der Wohnungstür endet der Weg, bei manchen Anbietern sogar vor dem Wohnhaus. Speditionsware, gerade kein besonders beliebtes Einkaufsprodukt.

Die gute Nachricht: Es kommt eine Zeit nach Corona. Und wir erleben gerade ein solidarisches Miteinander. Die Cafés, die Buchläden, die kleinen Kinos, Klamottenläden, der Stoffladen um die Ecke, die kleine Floristin, der alte Kioskbesitzer, die Bäckerfrau. Wenn wir „support your local hero“ wirklich leben, werden wir es gemeinsam schaffen. Mit Kiezware.de haben wir selbst ein Projekt gestartet, um kleine Händler sofort handlungsfähig zu machen. Damit unsere Viertel lebendig bleiben, wenn der ganze Spuk vorbei ist. Und vielleicht verstehen wir dann auch, das offline und online wunderbar zusammen funktionieren kann.