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Homeoffice: Flucht & Segen

Homeoffice

Endlich mal den Paketboten an der Tür begrüßen statt sich nach Feierabend in die lange Schlange vor dem DHL-Shop anzustellen.

Schluss mit Wäsche- und Geschirrberge, Schluss mit leerem Kühlschrank, Schluss mit unangenehmen Smalltalk-Mittagspausen. Frei sein. Alleine sein. Es könnte so schön sein mit diesem Homeoffice, oder?

Corona war der Remote-Working-Treiber schlechthin.

Einige Unternehmen waren nicht nur darauf vorbereitet, sie waren ihrer Zeit voraus. Andere mussten erst mal panisch Laptops anschaffen und es hat mehrere Wochen gedauert, bis man Serverstrukturen, Datenschutz und ähnliches aufbauen konnte. Und dann wurden erst mal die verschiedenen Tools getestet und ausgeschimpft. Bis man dann festgestellt hat, dass einige Sachen ja vielleicht sogar besser sind als früher. Einige Dienstreisen waren tatsächlich überflüssig – verrückt, oder? Diese Erkenntnis hat vor allem dem Klima gefallen, der Lufthansa und der Deutschen Bahn weniger.

In den nächsten Tagen und Wochen werden – so scheint es – verschiedene Impfstoffe zugelassen und dann geht das große Wettimpfen los. Ein weltweiter Hoffnungsschimmer. Und wie geht es dann weiter, also arbeitstechnisch? Das wollte auch die Unternehmensberatung Deloitte wissen. 66 Prozent der befragten Finanzvorstände sagten: „Wir planen, vermehrt auf Remote Working zu setzen.“ Auch in Zukunft. Das hat gleich mehrere Domino-Effekte.

Stichwort „Flexible Arbeitsplätze“.

Viele Firmen wollen – und müssen! – sich verkleinern. Die Auslastung wird wohl nie wieder an jene aus 2019 herankommen. Dann scheint es aber auch mit der Gemütlichkeit vorbei zu sein. Sich seinen eigenen Arbeitsplatz herrichten, neben seiner Lieblingskolleg*in, seinem Teampartner? Nö. Das Bild der flexiblen Arbeitsplätze wird prägend sein. Deutschland wird zum riesigen Co-Working-Space. Das klingt super fancy, ist aber nicht bei allen gleichermaßen beliebt.

„Im persönlichen Arbeitsbereich benötigen Mitarbeiter minimale Geräuschpegel und einen gewissen Grad an Personalisierung“, heißt es in dem Bericht „Die Deutsche Büroarbeitswelt“. Eröffnet ist dann der morgendliche Kampf, auf der Suche nach dem besten Arbeitsplatz. Man nimmt die S-Bahn, um nicht schon morgens gestresst einen Parkplatz zu suchen, damit dann im Büro das nächste Level wartet. Endgegner: Man sitzt den ganzen Tag gegenüber vom Chef. Denn der geht natürlich als Vorbild voran. Einzelbüro? Quatsch, ich sitz bei meinen Leuten, ganz auf Augenhöhe! Die schlechte Nachricht: „Die Qualität und Konfiguration des Arbeitsplatzes wirkt sich direkt auf die Leistung und die Innovation im Unternehmen aus“, heißt es weiter aus dem Bericht von Gensler.

Natürlich wird in diesen Zeiten mit Homeoffice die Ausbreitung des Virus verringert, das ist unbestritten. Jede Busfahrt weniger – hilft. Jeder Kontakt mit Kolleg*innen weniger – hilft. Aber: Jeder, der den ganzen Tag Videocalls hatte, weiß, was das mit einem macht. Dafür gibt es mittlerweile auch ein Syndrom: „Zoom Fatigue“. Dadurch dass man in Videocalls permanent beobachtet wird – und sich auch beobachtet fühlt – ist man viel schneller müde als in Vor-Ort-Meetings. Man ist geschlaucht, ausgelaugt und allein.

Denn wenn der Videotermin vorbei ist, ist der Bildschirm schwarz und man sitzt mit seinen Gedanken und Gefühlen alleine. Keine lockere Nachbesprechung an der Kaffeemaschine, kein Lästern beim Rauchen auf der Dachterrasse. Unproduktive Pausen fühlen sich im Homeoffice per se schlechter an. Während es zum sozialen, guten Ton gehört, mit einem Kolleg*in einfach nur zu quatschen, gibt es diese Momente zuhause schlichtweg nicht. Dafür muss dann der Partner herhalten, der dann auch im Homeoffice ist. Das ist an manchen Tagen Gold wert und an anderen eine zusätzliche private Belastung.

Man muss aufpassen, dass man nicht zum Einzelkämpfer mutiert, der sich seinen Arbeitstag 100% ich-zentriert einteilt – ohne Rücksicht auf Verluste.

Das Team- und das Wir-Gefühl dürfen nicht auf Kosten von Innovation und Flexibilität leiden.

Das Thema Homeoffice ist wahrhaftig komplex und wird uns für die nächsten Jahre, Jahrzehnte prägen. Ich könnte noch ganz viel mehr dazu schreiben, aber die Wäsche ist gerade fertig geworden. Die will ich eben schnell noch aufhängen, bevor ich gleich Video-Weihnachtsfeier habe.

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